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Leinfelden-Echterdingen: Starke Proteste gegen „AfD“ Wahlauftakt

Posted on Montag, April 10, 2017 in Allgemein

Am gestrigen Sonntag veranstaltete die sogenannte „Alternative für Deutschland“ einen Vortragsabend in der Filderhalle Leinfelden-Echterdingen. Beginn 19:00 Uhr.

Geladen war als Redner, Landesparteisprecher Marc Jongen der einen Vortrag mit dem haarsträubenden Titel „Deutsche Leitkultur statt Multikulti“ hielt.

Zudem stellten sich die Direktmandaten der AfD für die Wahlkreise Esslingen (Stephan Köth) und Nürtingen (Vera Kosova) vor.

Bereits ab 18:00 Uhr sammelten sich die ersten GegendemonstrantInnen vor der Halle, wobei festgestellt werden konnte, dass diese offensichtlich bereits vorher von AktivistInnen besucht worden war.(Bilder).
Nach der Ankunft einer gemeinsamen Zuganreise war der Vorplatz direkt von ca. 100 AntifaschistInnen besetzt. Mit Hilfe von Transparenten konnten die Zugänge für einen gewissen Zeitraum komplett dichtgemacht werden. Hierbei kam es auch zur zeitweiligen Festsetzung eines Aktivisten, nachdem dieser angeblich einem Beamten zu deutlich die Ablehnung seines Redebeitrages zugetragen haben soll.
Trotz des aggressiven Eingreifens und Handelns der zahlreich anzutreffenden Polizeibeamten erhielten die Parteianhänger, auch nach Lockerung der Blockaden, keinen ungestörten oder gar bequemen Zugang zur Veranstaltung.

Während die AntifaschistInnen ihre Aktionen vor dem Gebäude bei strahlendem Sonnenschein abhielten, regnete es in der Halle hunderte von kleinen Parolenzetteln gegen die Rassisten. Dabei gelang es auch ein Transparent in der Halle aufzuspannen und den Saal mit ein paar (menschen-)freundlichen Parolen zu erhellen.

Nach diesen Aktionen sammelten sich etwa eine dreiviertel Stunde nach offiziellem Veranstaltungsstart der Hetzer, die anwesenden AntifaschistInnen zur Hauptkundgebung. Neben einem Redebeitrag wurde dabei in einer künstlerischen Aktion auf die todbringende Politik der Grenzabschottung hingewiesen.(Link zur Rede + Bilder) Im Anschluss rundete eine kurze aber entschlossene Spontandemo zum nahe gelegenen Bahnhof den Tag ab.

Insgesamt können wir ein überaus positives Fazit ziehen. Mit verschiedensten Aktionen konnte den Rassisten ihr Wahlkampfauftakt ordentlich versaut werden. Erfreulich war hierbei gerade die Breite der Aktionen: von Infiltration der Veranstaltung, über Blockaden bis hin zu einer kreativen Aktion war einiges geboten. Hieran müssen wir auch zukünftig anknüpfen, um den Rechten die Wahlkampfzeit ordentlich zu vermiesen.

Wir werden es nicht unkommentiert hinnehmen, wenn Politik auf Kosten sozial Schwacher betrieben wird. Den Brandstiftern einheizen. Immer und überall!

 

Antifaschistische Aktion Nürtingen

 

Rede:

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

Liebe Anwesende,

wir sind heute hier, weil für etwas stehen was in dieser Halle abgelehnt wird. Für Solidarität. Für ein Land in dem nicht jeder gegen jeden ausgespielt wird. Unser Ziel ist nicht die Menschen auseinander zu dividieren, sondern zu einen. Gemeinsam sind wir stark und das pauschale Abwerten Menschen anderer Herkunft geht uns gehörig gegen den Strich!

Doch das ist, was wir heute hier in der Halle hören werden. Mit Dr. Marc Jöngen tritt hier auf den Fildern der Philosoph der Partei in Erscheinung. Ein Mann der schlau genug ist seinen Rassismus zu verstecken und intellektuell zu verklären. Doch hinter den Bezügen auf Kant, Platon und Nietzsche erleben wir nichts anderes, als die Ablehnung schutzbedürftiger Menschen.

In seinen Augen haben die Menschen freiwillig ihre Länder verlassen. Daher seien sie auch nicht als Gäste zu behandeln. Offen verschließt Jöngen die Augen vor den Problemen dieser Welt. Vor Hunger, vor Krieg, vor Armut – deutsche Waffenlieferungen, der Ausbau neokolonialer Verhältnisse in der Welt?

Kein Thema für eine Partei die zwar unsere Profite durch diese Verhältnisse wahren will, aber die Augen verschließt. Die Augen verschließt vor dem Preis, den andere dafür zahlen müssen. Diese Ferne gilt es zu durchbrechen. Empathie sollte ein Grundzug unserer Gesellschaft sein.

Lassen wir uns die Kindergartenlogik der AfD durchbrechen. Ursache – Reaktion – Wirkung sollten immer hinterfragt werden. Dann kommt man auch nicht auf solche kruden Thesen, wie eine planmäßigen Austausch der Bevölkerung in diesem Land.

Wer arglos von einer Bedrohung des deutschen Volkes durch Immigration spricht sollte sich erst einmal anschauen, wie es in anderen Ländern steht. Schauen wir uns Jordanien an. Dort leben aktuell über 1,5 Millionen Flüchtlinge – bei 6 Millionen EinwohnerInnen. Übertragen auf Deutschland wären das 20 Millionen Flüchtlinge. Und doch findet in diesem Land ein solidarisches Miteinander seinen Platz. Scheinbar wissen ärmere Länder besser, was es bedeutet seine Heimat hinter sich zu lassen. Scheinbar ist Empathie gerade in jenen Kreisen, welche das christliche Abendland verteidigen wollen zu einer Farce verkommen.

Das Christentum versprach eigentlich einmal „liebe deinen Nächsten“. Doch gerade für die Verteidiger dieser Tradition scheint es nicht einmal möglich zu sein, hilfsbedürftige Menschen zu lieben. Eine reine Heuchelei, um sich in einer vermeintlichen Mehrheitsposition zu wiegen.

Aber verfallen wir mal nicht in die Theologie. Viele reale Ansatzmöglichkeiten gibt’s es ja bereits. Manche auch tatsächlich durch die Kirchen. Finden wir zusammen. Finden wir zusammen als Menschen. Als Menschen welche diese Welt bevölkern.

Hierfür gilt es nicht fliehenden Menschen unsere Probleme aufzuladen. Nicht einen einfachen Sündenbock zu suchen, sondern die Welt in ihrer Komplexität zu sehen. Kämpfen nicht dafür, dass Menschen nicht mehr hierherkommen. Sondern dafür, dass sie ihre Heimat nicht mehr verlassen müssen!

Dafür gilt es aktiv zu werden gegen das wirtschaftliche Gefälle in dieser Welt. Gegen militärische Interventionen und für eine solidarische Gesellschaft. Für eine solidarische Gesellschaft in welcher jeder Mensch das Recht auf alles zum Leben notwendige besitzt und sein Überleben gesichert ist.

Das wäre eine wirkliche Alternative!

Brick by Brick, Wall by Wall – make the fortress europe fall

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